Antonio Congo
 
Auf dem Friedhof Hattensen bei Ottenstein liegt unter einer alten Linde ein junger Afrikaner begraben. Es wurden vielerlei Vermutungen angestellt, warum er 1843 nach Ottenstein kam und wer dem Tischlergesellen das kostbare Grabmal errichten ließ. Die Grabinschrift lautet wie folgt:
 
»Hier ruhet Antonio Congo, Sohn eines Afrikanischen Häuplings, Namens Ambrosio Congo zu Gumbata in Afrika geboren den 12. October 1811 wurde er, 8 Jahre alt, seinen Eltern geraubt und als Sklave nach Brasilien gebracht. Hier kaufte ihn der Hamburger Kaufmann Ferdinand Schlüter, ein edler Mann, der ihn mit nach Hamburg nahm und in der christlichen Religion erziehen ließ. Nachdem Antonio Congo darauf das Tischlerhandwerk erlernt hatte, ging er auf die Wanderschaft, auf welcher er 1843 erkrankte und als ein guter und religiöser Tischlergeselle starb am 11. Januar.«
 
Da sich um das außergewöhnliche Grabmal, bestehend aus zwei schweren Sandsteintafeln die jeweils am Kopf- und Fußende des Grabes aufgestellt sind, viele Legenden ranken, soll eine der Geschichten hier Erwähnung finden:
 
Auszug aus »Es ist ein altes schönes Land - Geschichte und Geschichten vom Weserbergland« von August Meyer:
 
»Hieran erinnert die in einem Grabstein eingemeißelte Geschichte eines afrikanischen Häuptlingssohnes auf dem Hattenser Friedhof dicht bei Ottenstein. Wohl aus Gründen der Moral wird namentlich von dessen Wohltätern berichtet, während man das Verbrechen, das ihn hierher geführt hat, der mündlichen Überlieferung anheim stellte. Es ist das Grab des Antonio Congo, geboren am 12. Oktober 1811 zu Gumbata als Sohn eines Häuptlings. Der christliche und mildtätige Hamburger Kaufmann Ferdinand Schlüter hatte ihn in Brasilien als Sklaven freigekauft, nahm ihn mit auf seinem Schiff nach Hamburg, wo er christlich erzogen, getauft wurde und das Tischlerhandwerk erlernte.
 
Krank machte Antonio sich von dort auf den Weg, kam nach Ottenstein und verstarb dort bald am 11. Januar 1844. In der Inschrift wird nicht erwähnt, wer aus welchem Grund das kostspielige und so außergewöhnliche Grabmal errichten ließ. Aber es war weder der Pastor noch die Gemeinde. Es war der Ottensteiner Bürger Schomburg, den Antonio dort gesucht und endlich gefunden hatte. Schomburg war der größte und grausamste Sklavenhändler weit und breit. Für sich und seine gut bewaffneten Abenteurer charterte er regelmäßig einen Segler für seine Raubzüge im Kongo. Nachts umstellte man die Siedlungen, brachte alles um, was bei einem Verkauf keinen Profit versprach oder gesundheitlich ungeeignet schien, und trieb dieses Unwesen jeweils so lange, bis dass das Schiff voll war mit angeketteten Sklaven.
 
Wer dann auf den langen Fahrten nach Brasilien überlebte, kam dort auf den Sklavenmarkt und machte Schomburg zu einem reichen Mann. In Brasilien war es der Hamburger Kaufmann Schlüter, der einen solchen Sklavenmarkt erlebte und aus Mitleid den jungen Antonio ersteigerte.
 
Zuhause dann sorgte er sich um ihn und gab ihn in eine Handwerkslehre. Auf der Suche nach seiner Vergangenheit fand man gemeinsam heraus, dass der Schlüssel des unrühmlichen Geschehens in dem Dorfe Ottenstein zu finden sei.«
 

 
 


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