Die Kapelle zu Hattensen
 
Unweit von Ottenstein ragt ein einsamer Kirchturm aus den wogenden Getreidefeldern heraus. Er gehört zur heute noch erhaltenen Kapelle eines kleinen Dorfes namens Hattensen, das wohl in den Wirren des »Eversteiner Erbfolgekrieges« [1404 bis 1409] von den Bewohnern verlassen wurde. Die kleine Kapelle, aus Bruchsteinen gemauert und mit einem Sandsteindach versehen, ist im Stil der späten Romanik erbaut, ihre Entstehung wird im 13. Jahrhundert vermutet. Einen Hinweis darauf liefert die Decke des einschiffigen Innenraumes, die nicht aus Holz besteht sondern bereits eingewölbt ist. Die Fenster sind klein und rundbogig, die Eingangstür hat schon einen gotischen Bogen. Im Chorraum, der um eine Stufe erhöht ist, befindet sich ein Altar aus romanischer Zeit mit einer dicken Deckplatte zur Auflage. Heute erhebt sich darüber ein sorgfältig gearbeiteter Kanzelaltar aus Holz mit Bildern in den fünf Flächen der Schauseite.
 
Dass das Gotteshaus nicht schon längst zur Ruine geworden ist, ist mehreren Restaurierungen zu verdanken; einer ersten im Jahr 1721, dann einer gründlichen 1885. Das Geld dazu stiftete der in Amerika zu Reichtum gelangte Ottensteiner Bürger August Siburg, nachdem er in seine Heimat zurückgekehrt war. Damals erst wurde die Kirche auch mit einem kleinen Turm versehen, der nach einem Blitzschlag 1899 neu errichtet werden musste.
 
Seit etwa 1840 nutzen die Ottensteiner die kleine Kirche als Friedhofskapelle, der ringsherum angelegte, gepflegte Friedhof wurde zunächst auch von den Einwohnern der benachbarten Orte Lichtenhagen und Glesse als Grabstätte für ihre Toten benutzt. Das Grabmal des Antonio Congo, gelegen im Schatten der riesigen Friedhofslinde, ist hierbei eine immer wieder Beachtung findende Besonderheit.
 
Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass die Beschreibung der in einem zeitgenössischen Bericht erwähnten »einsamen Waldkapelle bei Pyrmont«, in der seinerzeit die heimliche Hochzeit des Herzogs von Clarence, des letzten gemeinschaftlichen Königs von England und Hannover, mit Karoline von Linsin stattgefunden hat, durchaus auf das Hattenser Kirchlein passt. Der Herzog hatte sich bei einem Aufenthalt 1790 in Bad Pyrmont in ebendiese Dame verliebt und bei einem weiteren Zusammensein im Jahr darauf fasste man den Entschluss sich heimlich trauen zu lassen. Da aber der königliche Hof die unebenbürtige Gemahlin nicht akzeptierte, wurde die Ehe kurz darauf annulliert. Die edle Dame soll daraufhin aus Gram in eine Art Scheintod gefallen sein. Doch was hiervon Dichtung und was Wahrheit ist, darüber kann heute niemand mehr Auskunft geben.
 
Besichtigungen der Hattenser Kapelle sind in jedem Jahr am Tag des offenen Denkmals im September möglich. Das evangelisch-lutherische Pfarramt der Kirchengemeinde Ottenstein erteilt Auskünfte zu außerordentlichen Führungen unter der Telefonnummer 05286.225.
 

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