Die Liebfrauenkirche
 
Unsere Liebfrauenkirche direkt am Marktplatz in Ottenstein gelegen, feiert im kommenden Jahr 2004 ihr 400 jähriges Bestehen. Pastor Anton Seumenicht, der im Turmeingang die Pastorentafel anführt, ließ sie in den Jahren 1601 - 1604 erbauen, nachdem an derselben Stelle beim Ottensteiner Großbrand am Sonntag Palmarum im Jahre 1571 die vorherige Marienkirche völlig zerstörte.
 
Auffallend beim Eintreten in die Kirche ist die rundlaufende Empore, auf der sich im Turmbereich die 1852 vom Orgelbauer Konrad Euler neunzehn Register zählende zweimanualige Orgel befindet, die durch eine großangelegte Spendenaktion im Jahr 1998 in der Grundsubstanz gerettet wurde. Die Restaurationskosten beliefen sich auf fast 350.000,- DM, wovon die Ottensteiner Gemeindeglieder: 90.000,- DM durch Spenden aufbrachten!
 
Wandert der Blick in unserer Liebfrauenkirche nach vorn zum Altar, so fällt ein holzgeschnitztes Abendmahlsbild über der Altarplatte auf. Ein Relikt aus der Hattenser Kapelle - im Jahre 1595 vom niederländischen Kupferstecher Abraham Bloemart gefertigt.
Er selbst verewigte sich unter den Dienern auf dem oben linkenBild als Gast mit Hut. Judas mit einem Geldbeutel in der rechten Hand, wird gerade von Jesus ein Brotbrocken gereicht [nach Joh. 13]. Dieses Erkennungszeichen des Verräters schnitzt Bloemart so plastisch, das er dies wie ein schmerzlicher Biss in die Hand seines Meisters empfindet.
 
Gewöhnungsbedürftig in einer 400 Jahre alten Dorfkirche bleibt der Sprung in die Neuzeit, mit dem recht farbenfrohen Bild vom Hildesheimer Künstler Helfried Hoffmann. Dieses Action-Painting-Bild entstand während eines Konzertes der Weltreligionen: der Klangcollage »Orama« von Oliver Gross aus christlicher Gregorianik, jüdischer Klezmermusik, muslimischer und tibetanischer Obertonmusik. Der Dialog der drei großen Weltreligionen zu mehr gegenseitigem Verständnis in versöhnter Verschiedenheit bildete im Frühjahr 2002 unsere kirchengemeindliche Antwort auf den 11. September 2001.
Durch eine spontane Ersteigerung des Bildes am Abend im Gasthaus Hahn kam der Wunsch auf, dieses Bild als Friedensmahnung zu mehr Toleranz im interreligiösen Gespräch bleibend in der Liebfrauenkirche zu belassen. Diesem Wunsch kam unser Kirchenvorstand gerne nach. Wie sehr eine Kirchengemeinde in der Ausschmückung ihres Sakralraumes modernem Empfinden aufgeschlossen ist, zeigt sich auch in den Entwürfen der Hamburger Künstlerin Edith Sticker bei dem neuen Altarparament und den Lesepultantipendien. In der Ratzeburger Paramentenwerkstatt gefertigt, erfolgte zum Erntedankgottesdienst 2003 die Einweihung der gelungen Umsetzung vom Senfkorngleichnis.
 

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